Systemische Therapie und gesetzliche Krankenkassen

Die Systemische Therapie ist weltweit anerkannte Therapiemethode. Auch in Deutschland ist die Systemische Therapie seit 2008 ein wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren für die Psychotherapie Erwachsener,  Kinder und Jugendlicher. (s. a. Gutachten des Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie nach §11 PsychThG)

 

Systemische Therapie in einer Kassenpraxis

Derzeit wird die Systemische Therapie allerdings (noch) nicht als ein so genanntes Richtlinienverfahren eingestuft, weshalb sie als ambulante Leistung von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt wird. Vermutlich ändert sich das noch in diesem Jahr.

 

Am 22.11.18 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sowohl den Nutzen als auch die medizinische Notwendigkeit der systemischen Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren anerkannt (s.a. Anerkennung durch den G-BA).  Jetzt wird die Psychotherapie-Richtlinie des G-BA angepasst. Bis Patientinnen und Patienten die systemische Therapie als Leistung einer gesetzlichen Krankenkasse in Anspruch nehmen können, müssen allerdings noch weitere Einzelheiten geregelt werden, die nach etwa einem Jahr abgeschlossen sein sollen.

 

Um mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können, müssten nach der sozialrechtlichen Anerkennung der Systemischen Therapie, nicht nur angehende, sondern auch langjährig praktizierende SystemikerInnen einen komplett neuen Ausbildungsgang absolvieren. Nur mit einem solch neuen Zertifikat soll eine Approbation beantragt werden können. Es sind (noch) keine Übergangsregelungen für langjährig praktizierende SystemikerInnen geplant.

 

Über das Verhältnis deutscher Krankenkassen zur Systemischen Therapie, schreibt Jana Hauschild im Frühjahr 2013 im Spiegel den Artikel „Seelenheil im System“. Lesen Sie HIER

Systemische Therapie in einer Privatpraxis

Aktuell übersteigt die Nachfrage nach kassenfinanzierten Psychotherapieplätzen das Angebot und vielerortes gibt es extrem lange Wartezeiten. Noch landen PatientInnen, die auf kassenfinanzierte Psychotherapie angewiesen sind, bei Kassenpsychotherapeutlnnen, die Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologie anbieten. Sie werden in der Regel dort behandelt, wo es freie Kapazitäten gibt. Die wenigsten PatientInnen treffen ihre Auswahl anhand des angebotenen Psychotherapieverfahrens. Oft haben sie auch nicht die Möglichkeit dazu oder wissen gar nicht, mit welchem Psychotherapieverfahren sie behandelt werden.

 

Wer eine Behandlung in einer systemischen Privatpraxis bevorzugt, hat meistens gute Gründe dafür. Nachfolgend sind einige Beispiele, warum KlientInnen eine systemische Privatpraxis aufsuchen:

 

    • Sie wollen die Wartezeit auf einen von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierten Therapieplatz abzukürzen

 

    • Sie möchten die strengen Regeln der kassenfinanzierten Psychotherapie zu umgehen
      (die Behandlungsanlass, -dauer oder -frequenz einschränken)

 

    • Sie haben Anliegen, die nicht durch Richtlinienpsychotherapie abgedeckt werden
      (wie z. B. die Paartherapie, die grundsätzlich nicht von der Krankenkasse finanziert wird)

 

    • Sie wollen mit Ihrem Behandlungsanlass nicht aktenkundig werden
      (um z.B. bei Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Verbeamtungen nicht benachteiligt zu werden).

 

    • Sie haben die Systemische Therapie als passendes Psychotherapieverfahren für Ihr Anliegen ausgewählt

(Stand: 15.06.2019)